Politik

(4) Wahlen: nochmal Mexiko

Anti-Peje Kampagne

Morgen findet die Wahl statt. Mittlerweile wird mir ein bisschen mulmig. Das hat mit meinem Auftrag zu tun. Ich soll für unsere Agentur Fotos machen. Leider haben wir vergessen, die Presseakkreditierungen zu beantragen, dass heißt, ich bin nur mit einem selbstgemachten Ausweis unterwegs.

Ursprünglich war ich gar nicht so besorgt, dachte, ich spaziere einfach ins Wahllokal, mache ein paar Themenfotos von Urnen und Wahlzetteln und Leuten von hinten, die in der Schlange anstehen. Dann kam meine Kollegin, die sich um das Thema Meinungsfreiheit kümmert, und meinte: „Hör mal, wenn du zu Wahllokal gehst, musst du einige Regeln beachten. Du darfst die Menschen GAR NICHT fotografieren. Du darfst die Leute auf dem Weg ins Lokal nicht fragen, wen sie wählen (hatte ich gar nicht vor!). Und VOR ALLEM darfst du die Leute nicht fragen, ob sie Geschenke oder Geld angenommen haben, um jemanden Bestimmtes zu wählen. Dafür kannst du sogar ins Gefängnis kommen.

Du darfst die Leute höchstens aus 50 Metern Entfernung fotografieren, wenn sie aus dem Wahllokal kommen, und sie auch erst hinterher fragen, wen sie gewählt haben. Unauffällig. Und wenn du Zeugin wirst, wie irgendjemand Urnen verschwinden lässt: Mach Fotos und dann mach dich vom Acker!“

Gut. Verstanden. Wie soll ich jetzt an meine Themenfotos kommen? Vor allem bin ich doch nicht so dreist wie Menschen, die einfach durch eine Hotellobby spazieren und dann dort das Klo benutzen, oder auch: mich einfach in ein Wahllokal reinzuschmuggeln und doch Fotos zu machen. Wieso ist das überhaupt verboten in Mexiko? Jedenfalls für Leute ohne Presseakkreditierung?

Zwei Bekannte haben mir erzählt, dass die Wahlgeschenke eh schon gelaufen sind. Die PRD hat Lebensmittelpakete an Leute verteilt, die vorher auf einer Wahlkampfveranstaltung waren. „Aber die Mayonnaise war SOO klein!“.  Dann schon lieber das Wahlgeschenk von Ricardo Anaya, dem Konservativen annehmen: Briefe sind verschickt worden, in denen Gutscheinkarten mit 1500 Pesos stecken. Bei 80 Pesos Mindestlohn am Tag doch vielversprechend.

Alle Medien sehen Andrés Manuel López Obrador vorne, aus meiner Sicht die am wenigsten schlimme Wahl und zumindest ein Experiment: Es wäre das erste Mal, dass eine linke Partei die Wahl gewinnt. Die PRI, die Regierungspartei, kann man ja nicht als links zählen. Aber meine Kolleginnen sind skeptisch. Was alles passieren kann. Dass ihm der Wahlsieg doch noch geraubt werden könnte, wie 2006. Eine Richterin des Wahlinstituts soll gesagt haben, die größte Gefahr bestehe nicht in den Wahllokalen, sondern beim Transport der Urnen.

Wir sind gespannt. Bis übermorgen.

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