Geschichte Politik

50 Jahre Massaker von Tlatelolco

Studierende protestieren gegen das Vergessen

Am 2. Oktober war der 50. Jahrestag des Massakers von Tlatelolco. Ein einschneidendes Datum. 1968 war auch fuer die Studierendenbewegung in Mexiko ein heisser Sommer. Ein wenig habe ich darueber schon geschrieben in meiner Rezension des Buches von Paco Ignacio Taibo II. Im Moment habe ich eines von Elena Poniatowska darueber angefangen, das ich beizeiten hoffentlich auch noch in die Leseempfehlungen stellen kann.

Das Klima damals jedenfalls repressiv, es herrschte das autoritative Ein-Parteien-System der PRI, aufgrund der Kontrolle von Zeitungen eine viel staerkere Zensur, und revolutionaere Studentinnen oder Studenten wurden damals verschwunden oder erschossen. Scheint mexikanische Kontiuitaet zu sein. Jedenfalls fehlten nur noch wenige Tage bis zu den Olympischen Spielen, die in Mexiko Stadt stattfinden sollten.

(Kleiner Einschub: hier offenbart sich mein Dilemma, absoluter Fan des Logos der Spiele zu sein. Ich wuerde mir so gerne eine Grafik davon irgendwo hinhaengen, aber die abgerundeten, laenglichen Buchstaben aus drei Streifen symbolisieren nun mal ein Mega Event, das mit Repression und auf Kosten der Bevoelkerung durchgesetzt wurde.)

An jenem Abend versammelten sich Tausende Studierende auf der Plaza de las Tres Culturas in Tlatelolco, einem Stadtteil im Nordosten, um gegen die Regierung von Praesident Díaz Ordaz zu protestieren, die zwei Wochen vorher den Campus der Autonomen Universitaet Mexiko (UNAM) hatte besetzen lassen. Dabei waren viele Student*innen verhaftet worden.

Der Platz, an dem das Massaker stattfand
Die „Plaza de las Tres Culturas“ vereint drei Kulturen: Ruinen der Azteken, Barockkirche der Spanier und Wohnblöcke aus den 60ern

Gerade als der letzte Redner das Rednerpult betreten wollte, fielen rote und gruene Bengalofeuer auf die Plaza de las Tres Culturas hinab. Das war das Zeichen fuer die Scharfschuetzen auf den umstehenden Hochhausern, das Feuer zu eroeffnen. Auch von Jeeps und gepanzerten Fahrzeugen aus wurde geschossen. Laut offiziellen Zahlen starben 28 Personen, aber in Wirklichkeit waren es mehr als 300, 700 Verletzte und mehr als 5.000 Verhaftete. Hier fuer diejenigen, die spanisch sprechen, eine sehr gute Artikelserie vom Kollektiv Luchadoras zu den Feministinnen von 1968.

Am 2. Oktober war ich nachmittags bei den Protesten, die an den 50. Jahrestag erinnerten. Es war sehr bewegend, sich der Plaza zu naehern und sich vorzustellen, dass auf diesen Haeusern die Scharfschuetzen sassen. Ausserdem die porras, die Rufe der Demonstrant*innen, nach Demokratie und Gerechtigkeit. Seit vier Jahren werden die 43 Lehramtsstudenten von Ayotzinapa vermisst. Gerade erst vor einem Monat haben bezahlte Schlaegertrupps auf dem Gelaende der UNAM protestierende Studis krankenhausreif gepruegelt. Aendert sich denn gar nichts?

Gedenktafel für Opfer des Massakers von Tlatelolco
Diese Gedenktafel wurde zu Ehren der Ermordeten auf der Plaza de las Tres Culturas angebracht

Mir hat das Gaensehaut verursacht, und ich habe auch ein bisschen Angst um die Leute bekommen, als ueber uns die Hubschrauber kreisten und die Demonstration auf dem Weg zum Zócalo in der Unterfuehrung verschwand. Wenn es nicht staendig und jeden Tag um uns herum passieren wuerde (dass Student*innen ermordet und verschwunden werden), dann waere es schoen, wenn Nuncamás, Niewieder einfach nur ein Spruch auf einem Demotransparent waere.

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