Auswandern Politik

Adios Europawahl

Brieftext zum Eintrag ins Wählerverzeichnis

Neulich kam eine mail an die so genannten „Auslandsdeutschen“ in Mexiko. Ob wir an der Wahl zum europäischen Parlament teilnehmen möchten? Die Deutsche Botschaft stehe zwar nicht (wie dies bei anderen Ländern üblich ist, man denke nur an die vielen Wahlstationen in Deutschland bei der Parlamentswahl in der Türkei) als Wahllokal zur Verfügung, dafür könne man über die Diplomatenpost Briefwahlunterlagen verschicken.

Das hörte sich interessant an, dachte ich, probier ich mal aus. Eine Anleitung gab es schließlich auch gleich mit dazu. Erst bei meinem letzten Bürgeramt in Deutschland den Antrag auf Eintrag ins Wählerverzeichnis stellen. Registriert wird Frau oder Mann nur, wenn man bestimmte Kriterien erfüllt, z.B. nach dem 14. Lebensjahr mehr als 5 Jahre in Deutschland gelebt haben oder nachweisen, dass man immer noch sehr interessiert an der Politik in Deutschland ist. Irgendwie so was. Bin ich jedenfalls. Sehr sogar! Und ich bin auch daran interessiert, dass rechte Parteien wie die AfD einen kleinstmöglichen Stimmanteil bei der Europawahl erhalten.

Deswegen habe ich den Brief von Deutschland aus abgeschickt. Zurück, sagte der Merkzettel, müsse das Bürgeramt meine Post dann an das Auswärtige Amt schicken, welches die Unterlagen in der „Wahlsache Gerth“ an die Deutsche Botschaft in Mexiko weiterleitet. Dort solle ich mich erkundigen, ob sie angekommen sind, und könne von dort auch die ausgefüllten Wahlzettel zurückschicken, allerdings nur bis 9. Mai, danach keine pünktliche Ankunft gewährleistet.

Ich sollte dazu sagen, dass die Bürgerämter, soweit ich es verstanden habe, Briefwahlunterlagen auch an Privatadressen im Ausland verschickt. Nur leider ist die mexikanische Post so unzuverlässig, dass der Brief 2 bis 6 Monate unterwegs sein könnte, oder erst gar nicht ankommt. Dann doch lieber die Diplomat*innenpost. Mit dem Nachteil, dass Diplomat*innen einen Briefwahlumschlag offenbar nicht von einem normalen Brief unterscheiden können. Ich erkundigte mich gleich am ersten Tag der gesetzten Frist nach meinen Unterlagen, und erhielt die erfreuliche Nachricht „Ihre Wahlunterlagen sind angekommen.“

Abholzeiten, kein Termin nötig, sehr schön. Am nächsten Tag radelte ich ins Diplomat*innen- und Geschäftsviertel, immerhin rund eine Stunde Umweg auf dem Weg zu meiner Arbeit, ließ mich aufwändig durch die Sicherheitsschleuse schleusen, und wartete dann alle anderen Besucher*innen mit ihren Visa- und Passangelegenheiten ab. Als ich an der Reihe war und nach meinen Wahlunterlagen fragte, mussten die Angestellten erst einmal auf die Suche gehen. Schließlich kam die Botschaftsangehörige mit einem dünnen kleinen Fenster-Briefumschlag zurück. Ich hatte schon meine Zweifel…

Und siehe da, obwohl ich mich schon nach stillen Ecken umgeschaut hatte, in denen ich schnell den Wahlzettel ausfüllen könnte, um ihn umgehend zurück in die Post zu geben, war der Inhalt des Briefes ernüchternd: „Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr, ich bestätige den Eingang ihres Antrages auf Eintrag in das Wählerverzeichnis zur Europawahl 2019. Sobald die Bearbeitung ihres Antrags technisch möglich ist, wird dieser bearbeitet….“

Nach noch einer Weile warten durfte ich erneut vorsprechen. Ob es da nicht noch einen dickeren Umschlag für mich gäbe? Nein, das sei alles, es tue ihr sehr leid, aber sie dürften die Post ja nicht öffnen. „Nein, aber man sieht doch auf den ersten Blick, dass das KEIN Briefwahlumschlag mit einer meterlangen Wahlliste drin ist!“ Hab ich mir gedacht, aber nicht gesagt. Bin ja ein freundlicher Mensch. Im Büro kam ich um 10.30h an, mehr als 2 Stunden später als sonst. Um 15.52h erhielt ich eine mail von der deutschen Botschaft, mit mir seltsam bekanntem Inhalt: „Hiermit teile ich Ihnen mit, dass Ihre Wahlunterlagen heute mit der Post eingetroffen sind…“

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