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Benzin ist alle

Kein Benzin mehr

Als Fahrrad fahrender Mensch bekommt man ja manchmal gar nicht mit, welche Sorgen die Autofahrer*innen so bewegen. In Mexiko Stadt ist es nicht der Benzinpreis oder gar der Schnee, es ist derzeit der Fakt, dass die meisten Tankstellen geschlossen haben- aus Mangel an Benzin.

Ja, richtig, Mexiko ist ein erdoelfoerderndes Land mit einem staatlichen Oelkonzern (Pemex). Ich stuetze mich hier mal auf Medienberichte wie den der BBC. Es gibt lange Oelleitungen durch das Land. Kriminelle Banden haben eine richtige Industrie daraus gemacht, diese anzuzapfen und das geklaute Oel unter der Hand zu verkaufen. Das Geschaeft ist eintraeglich: Laut der Regierung wird pro Tag eine Menge von 800 Tanklastern geklaut. Dafuer gibt es mi mexikanischen Spanisch sogar ein eigenes Wort: Huachicoleo.

Der neue Praesident, Andrés Manuel López Obrador, hat sich dem Kampf gegen die Korruption verschrieben, und da kann ihm der Huachicoleao nur ein Dorn im Auge sein. Die Regierung hat irgendwann Anfang dieser Woche beschlossen, mehrere Pipelines zu schliessen, damit die Diebe nichts mehr abzapfen koennen. Mittlerweile sind viele Tanklaster auf den Strassen unterwegs, Tausende dazugemietet worden, aber den Bedarf koennen sie offenbar nicht decken.

Elektrotankstelle
Könnte jetzt die Alternative sein… wenn mensch ein Elektroauto hätte…

Zumal anscheinend niemand mit der Panik der Konsument*innen gerechnet hatte. Mitte der Woche gab es lange, lange Schlangen an den Tankstellen (die mich erstmals auf das Problem aufmerksam machten. Waehrend ich auf dem Rad dran vorbeifuhr). Mittlerweile gibt es diese nicht mehr, denn um alle Tankstellen auf meinem Heimweg ist ein Absperrband, manchmal noch mit entschuldigenden Schildchen dran: “Entschuldigen Sie die Unannehmlichkeiten, aber aufgrund von Versorgungsmaengeln gibt es derzeit kein Benzin”.

Jetzt frage ich mich, ob ich in den naechsten Tagen womoeglich mit unglaublich freien Strassen rechnen kann? War der Verkehr heute schon weniger? Irgendwie nicht… Und irgendwie sind wir dann selber doch betroffen, wollten wir doch am Samstag mit unserem Besuch nach Puebla fahren. Aber der Tank ist nur halb voll, und fuer eine so lange Strecke reicht das nicht aus. Dann eben nach Xochimilco, Boetchen fahren.

Das ist angesichts des Benzinchaos allerdings das geringere Problem. Als ich heute morgen am Muellwagen vorbeifuhr, fragte ich mich beunruhigt, fuer wie viele Tage dieser wohl noch Benzin mi Tank hat…? Oder die Krankenwagen… die Geldtransporte… Die Lebensmittellaster? Warum sind wir eigentlich eine so verdammt von fossilen Energien abhaengige Gesellschaft? Selbst wenn man selber versucht, darauf zu verzichten? Wuerde ein Berliner Hybrid Muellwagen laenger durchhalten?

Die Regierung jedenfalls und auch die Oberbuergermeisterin der Stadt beruhigen: Das Problem sei eigentlich kein Benzinmangel. Es gebe nur Probleme mit der Verteilung. Diese wuerden sich in den naechsten Tagen geben. Oder ob jemand dafuer sei, dass dem Land jedes Jahr 2,8 Milliarden Euro an Benzin geraubt wuerden?

Natuerlich nicht. Aber dann hoffen wir mal, dass der Plan mit den Tanklastwagen hinhaut.

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