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Brustkrebs- was ist die “mexikanische Mutation”?

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Oktober ist Brustkrebs-Monat. Falls es euch schon aufgefallen ist. Mir bisher nicht so, aber seit ich darueber fuer meine Agentur schreiben musste schon. Ueberall gibt es rosa Schleifchen, selbst in meinem Supermarkt begruesst mich als erstes ein Aufsteller, der auf die Gefahren von Brustkrebs aufmerksam macht.

In der letzten Woche war ich im nationalen Krebsinstitut. Das ist ein Krebskrankenhaus, in dem auch Forschung stattfindet. Ein deprimierender Ort, zumindest fuer mich, die sonst wenig mit Tod und Sterben zu tun hat. Ueberall laufen Menschen mit Troepfen herum oder werden in Rollstuehlen gefahren, viele haben Kopftuecher und Muetzen auf, weil ihnen die Haare ausgefallen sind. Ich weiss, dass viele auch ueberleben, aber ich habe trotzdem Empathie mit den Menschen, deren Leben sich mit dieser Nachricht von einem Tag auf den anderen so schlagartig aendert. Mit ihren Angehoerigen, fuer die ja das Gleiche gilt.

Jedenfalls habe ich zwei kleine Interviews gemacht, zu neuen Behandlungsmethoden (gibt es, allerdings werden sie vom mexikanischen Gesundheitssystem nicht gezahlt :(. Die Aerztin hatte einen leicht vorwurfsvollen Ton in der Stimme, als ich sie nach Vergleichen gefragt habe. Sie meinte, in Europa wuerden auch nicht alle neuesten Behandlungsmethoden bezahlt! Das stimmt ja wahrscheinlich auch, und das will ich gar nicht abstreiten. Ausserdem habe ich hoechsten Respekt vor den Forscher*innen, die in enger Zusammenarbeit mit Aerzt*innen vor Ort Grundlagenforschung durchfuehren.

Die Biologin Julieta Domínguez zum Beispiel, die ueber die “mexikanische Mutation” forscht. Das ist eine Veraenderung der Gene BRCA1 und BRCA2 (sie hat mehr als eine Stunde zu uns geredet, aber meine Kenntnisse der DNA und der Genetik sind wirklich sehr alt…Mit anderen Worten, ich habe mich irgendwann auf die Dinge konzentriert, die ich verstehe. Zum Beispiel, dass das diese Killerveraenderung ist, die Angelina Jolie dazu bewogen hat, sich noch vor einer moeglichen Erkrankung die Brueste entfernen zu lassen.

Das ist eine krasse Entscheidung, allerdings hat uns die Biologin erklaert, dass das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, mit dieser Genveraenderung bei 80 Prozent liegt. Wenn man zum “normalen” Teil der Bevoelkerung gehoert, liegt das Risiko bei 8-10 Prozent. Immer noch hoch, aber nicht so lebensbedrohend. Was ich mich jetzt frage ist, ob Angelina Jolie mexikanische Vorfahr*innen hat oder vielleicht aschkenasische Juden?

Es gibt naemlich tatsaechlich bestimmte Bevoelkerungen der Welt, unter denen diese Genmutation haeufiger vorkommt. Viel haeufiger! Darunter sind, wenn ich es richtig verstanden habe, eben aschkenasische Jued*innen und Mexikaner*innen (keine Zentralamerikaner*innen! Das scheint an der Grenze Stopp zu machen…Nein wirklich, ich habe nachgefragt). In diesen Bevoelkerungen gab es sozusagen irgendwann die “Ur-Mutation”, und diese wurde dann weitergetragen. Eben auch in Mexiko, hier kommt Brustkrebs wohl haeufiger vor als in anderen Teilen der Welt.

Diese Daten habe ich vom letzten Jahr gefunden: Laut Weltgesundheitsorganisation werden in Mexiko jedes Jahr 1,38 Millionen neue Brustkrebsfaelle registriert, und 458.000 Frauen sterben jedes Jahr daran. Fuer Deutschland habe ich gefunden fuer das Jahr 2014: ca. 70.000 neue Faelle pro Jahr, und 17.000 Sterbefaelle. (Einwohner*innenzahl: Mexiko ca. 120 Mio, Deutschland ca. 80 Mio). Brustkrebs ist die haeufigste Krebserkrankung unter Frauen, und in Mexiko Haupttodesursache von Frauen ueber 25.

Jedenfalls waere es natuerlich nuetzlich, eine weitgehende epidemiologische Studie dazu zu machen, um herauszufinden, wie und wo diese Genmutation in Mexiko verbreitet ist. Dann kann man auch besser darauf aufmerksam machen. Allerdings ist es gar nicht so einfach. Nachdem Gelder und Personal gefunden sind, muesste man auch noch mit den Gesundheitsbehoerden in jedem einzelnen Bundesstaat reden (manchmal ist der Foederalismus auch Mist…) und sie von dem Projekt ueberzeugen.

Danach kann man nicht nur die Studie machen, man muss ja auch die Menschen ueber die Risiken und Moeglichkeiten einer Genanalyse aufklaeren, und falls sich Mutationen finden (nicht nur diese, sondern auch andere Belastungen), muss die entsprechende psychologische und medizinische Ansprechstation da sein, um die Faelle weiterzuverfolgen. Koennte also dauern. Julieta meinte dazu, sie hoffe, dass eine solche Studie noch waehrend ihrer Lebenszeit durchgefuehrt wird…

Bis dahin werden im nationalen Krebsinstitut die Faelle von Frauen gesammelt, die vererbten Brustkrebs haben (keine Sorge, das sind insgesamt nur etwa 10 Prozent aller Patientinnen. Alle anderen Faelle sind sporadisch). Wenn die Genmutation bei ihnen festgestellt wird, waere es natuerlich eigentlich angeraten, bei allen Familienmitgliedern auch Gentests durchzufuehren. Und selbst das ist natuerlich schwierig. Einer Achtjaehrigen erklaeren, dass sie ein Krebsrisiko von 80 Prozent hat? Pffff…..

Fuer alle, die sich jetzt fragen, ich habe Folgendes mitgenommen: abgesehen vom regelmaessigen Abtasten (ja… sollte ich auch mal machen….) besteht eine erhoehte Wahrscheinlichkeit dafuer, dass frau diese Genmutation hat, wenn eine oder mehrere Frauen ersten Verwandschaftsgrades (Mutter, Schwester…) unter 45 Jahren an Brustkrebs erkrankt sind. Also nur, wenn es ganz in der Naehe auftritt, und nicht, wenn die Mutter erst mit 70 oder 80 Krebs entwickelt hat. Das ist dann meist eine Frage des Alters. Oder des Lebens wie unsere Biologin meinte, wir sind in unserem Leben eben vielen schaedlichen Einfluessen ausgesetzt…

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