Anders als zu Hause Neue Heimat

Das Wasser ist weg

Volles Spülbecken

Nach nur kurzem Stau kamen wir am Neujahrsabend aus Guanajuato zurück, einer wunderschönen Stadt in Zentralmexiko. Die Freude über eine warme Dusche währte nur kurz, denn am nächsten Morgen stellten wir fest, dass kein neues Wasser da war.

Dazu muss man sagen, dass in Mexiko, wie in vielen lateinamerikanischen Städten, immer wieder mit Wassermangel zu rechnen ist. Die meisten Häuser haben aus diesem Grund einen Wassertank auf dem Dach. Unseres auch einen im Garten vergraben. In diese cisterna fällt an den meisten Tagen Wasser, bis sie voll ist, und dann pumpt man mit einer elektrischen Pumpe das Wasser in den Tank auf dem Dach. Und wenn dieser befüllt ist, kommt im Haus auch welches aus der Leitung. So weit klar?

Nach kurzem Zweifel, ob uns möglicherweise zum 1. Januar das Wasser abgedreht wurde, stellte sich heraus: In 13 Delegationen (=Bezirken) der Stadt gab es teilweise kein Wasser, weil in einem Wasserwerk Wartungsarbeiten durchgeführt wurden. Die Bezirke sind in Mexiko zwischen 500.000 und 1,8 Mio Einwohner*innen groß, es gib also ziemlich viele Konkurrent*innen auf der Jagd nach Wasser, aber dazu weiter unten.

Wassermangel habe ich in Lateinamerika schon früher erlebt, man durchläuft dabei verschiedene Stufen (bedenkend, dass das Wasser oben im Tank das letzte ist):

1. keine Wäsche mehr waschen. Das fällt noch relativ einfach, he he.

2. keinen Abwasch mehr machen (siehe Titelbild).

3. Nicht mehr duschen. Ich habe ab dem zweiten Tag beobachtet, wie die Haare der anderen Menschen in der Metro so aussehen. Jedenfalls irgendwie besser als meine. Also, es wird ohne Wasser sehr schnell unappetitlich. Erst recht bei Punkt

4.

Toilettentank
Das größte Problem bei Wassermangel

Tja. Auf dem Land in El Salvador haben die Menschen Latrinen. Aber ein Wasserklo ohne Wasser…

Gut, dass der mexikanische Wasserverband Notrufnummern eingerichtet hatte, bei denen man angeblich umsonst eine pipa bestellen konnte: also einen Wasserlaster, der mit einem langen Schlauch neues Wasser in unsere Zisterne pumpt. Nur leider waren die Nummern a) inexistent, b) nahm keiner ab, c) es war besetzt, oder d) ich kam in die Warteschleife, während der mir eine Nummer vom Tonband versicherte, dass dem Wasserverband mein Anruf sehr wichtig sei, aber am Ende der Warteschleife wurde ich aus der Leitung geschmissen. Wie gut, dass mehrere Nummern kursierten. So konnte ich tatsächlich schon am ersten Morgen einen bürokratischen Prozess in Gang setzen, an dessen Ende ich eine offizielle Vorgangsnummer erhielt, um die pipa zu bestellen. Dafür musste ich allerdings wieder eine neue Nummer anrufen… siehe oben.

Ein Wasserlaster bringt frisches Wasser
„Wasser!!!“

Die größten Chancen sah ich am ehesten noch darin, die Auffüllung der Zisterne aus der eigenen Tasche zu zahlen. Allerdings: wahrscheinlich laufen die Wasserhändler in Zeiten wie diesen mit Dollar-Zeichen in den Augen herum, eine Füllung (die ohne Waschmaschine wahrscheinlich höchstens zwei Tage reicht) hätte mindestens 75 Euro gekostet. Bei so viel Konkurrenz waren die pipas komplett ausgelastet. Unser Au Pair erspottete eine bei einem Nachbarhaus. „Du kannst mir eine Whatsapp schicken, und ich schaue, was ich tun kann. Aber dieses Haus hat das Wasser schon vor zwei Wochen bestellt,“ meinte der Mann, während ständig neue Nachrichten auf seinem Handy bimmelten.

Hat man sich so die Zukunft ohne Trinkwasser vorzustellen? Ich ermahne ja meine Kinder immer, Wasser zu sparen, aber dass die Lektion uns so schnell in echt ereilen würde, hätte ich  nicht gedacht. Zum Glück konnten wir eine Nacht bei Freunden übernachten. Und ehe das Problem Nr. 4 größere Dimensionen annehmen konnte, kam am vierten Tag das Wasser zurück. ¡Gracias a Dios! möchte da selbst die Atheistin rufen. Abspülen, herrlich! Duschen, wunderbar! Und nach zwei Tagen der Vorsicht traute ich mich sogar an die erste Waschmaschine.

Alles wird gut.

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