Anders als zu Hause Essen

Guten Appetit! Essen mit Plastik

Eingepacktes Sandwich im Restaurant

Ich weiß, wir Deutschen sind die Mülltrennungs-Fanatiker*innen der Welt. Auf die korrekte Mülltrennung habe ich schon zu Teenager-Zeiten Wert gelegt. Aber. In Lateinamerika werden Plastiktüten (meine moralinsaure Meinung) offenbar als Fortschritt betrachtet. Kein Mensch hat ein Problem damit hat, seinen Müll aus dem Fenster des Überlandbusses zu versorgen. Die Folgen: Flüsse in den Städten stinken nicht nur wie Kloaken, sie sind an ihren Ufern auch immer von Plastikmüll gesäumt.

Zugegeben, es gibt auf den Straßen von Mexiko Stadt auch nicht wirklich viele Mülleimer. Um nicht zu sagen, gar keine. Höchstens ein paar privat von Taco-Ständen und dergleichen aufgestellte, bei denen man sich immer argwöhnisch beobachtet fühlt, wenn man etwas im Vorbeigehen hineinschmeißt.

Plastikteller
Sogar die Plastikteller werden in Plastik eingepackt

Straßenstände! Ja, ich weiß, dort gibt es kein fließendes Wasser, und wie soll man auch die ganzen dreckigen Teller sauberkriegen. Aber es ist doch absurd, stattdessen jeden einzelnen Teller (mit jedem neuen Taco) in eine Plastiktüte einzupacken…

Croissant in Plastik
Auch jedes einzelne Brötchen und Croissant erhält eine Plastikverpackung

Die Bäckereien sind wirklich el colmo– der Höhepunkt. Die Kundinnen und Kunden betrachten die Verkäufer*innen mit höchster Genugtuung, wenn diese mit eleganten Schwüngen das Brötchen einpacken und der Haufen mit Plastikverpackungen vor ihnen immer höher wächst. Wenn eine Kundin alles in einer Tüte haben möchte, wird sie fragend angeschaut.

Woher kommt dieser Fetisch? Ok, ich gebe zu, dass ich seit meinen Jugendjahren ein Mülltrennungs-Nazi bin. Ich ärgere mich dann selbst, keine Alternative zur Hand zu haben, wenn ich mir einen Tamal oder ein Teilchen an einem Straßenstand kaufe. Auch das leckere Obst, das man überall geschnitten erwerben kann, kommt in der unweigerlichen Plastikschale. Und die Tupperdose hat man nun einmal nicht immer dabei, auch wenn man damit bei den anderen Menschen vielleicht einen kleinen Denkanstoß auslösen könnte.

Vor kurzem erlebte ich jedenfalls ein neues Highlight: im Restaurant des Museo de Memoria y Tolerancia wollte ich kurz vor unserer Radiopräsentation noch etwas essen gehen und bestellte der Einfachheit halber ein Sandwich. Wie kommt es? Herrlich eingepackt (siehe Titelbild)…

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