Weihnachtsbaum, Dekoration

In unserem Ausreisekurs hatten wir damals eine kleine Einheit über Heimweh. Es gibt tatsächlich soziologische Beobachtungen darüber, wie das beim (freiwilligen) Auswandern oft verläuft.

Man muss es sich wie eine Schlangenlinie vorstellen, die erst in horizontaler Linie – Null-Linie sozusagen- verläuft. Bei Ankunft im Land gibt es einen kleinen Ausschlag nach oben. Alles ist neu, alles ist toll, alles ist aufregend. Und so schön warm hier! Danach kommt statistisch gesehen eine längere Talfahrt. So viel Kriminalität im neuen Land. Richtig schlechte Schokolade. Und warum haben die Häuser bei 0 Grad keine Heizung? Zu Hause ist alles viel besser…

Nach der Talfahrt geht es langsam wieder bergauf, und man gewöhnt sich an das neue Leben, bis man wieder die Null-Linie und damit die Komfortzone erreicht hat. Bei mir ist es auch häufig so gewesen. Daher habe ich, nachdem am Anfang alles schön war, auch den Absturz gefürchtet. Jetzt mit der Weihnachtszeit hat es mich dann erwischt. Liebeskummer, und die Familie nicht da.

Ist ja egal, ob man sich sonst wegen des Weihnachtsessens in die Haare gekriegt hat. Oder es mir auf die Nerven ging, dass meine Mutter vor der Bescherung auf dem Singen von Weihnachtsliedern bestand, obwohl niemand von uns singen kann. Wenn man nur in der Kleinfamilie feiert, mit zwei Geschenken („Mama, ich muss jetzt aber mal sagen, dass ist echt wenig!“ Ts!), ist es irgendwie etwas einsam. Auch wenn es netten Fisch gab, und einen richtigen Weihnachtsbaum (ja, die gibt es auch in Mexiko!). Und außerdem war es so warm, irgendwie fehlte der Vorlauf: dunkle Jahreszeit, heißer Glühwein, Kerzen… Selbst der große Sohn merkte an: „Ich fühle mich so un-weihnachtlich. Wir hatten gar keinen Advent.“ Und der andere: „Nächstes Jahr machen wir aber Nikolaus! Und Adventskalender!“ (Needless to say, es war das gleiche Kind, das auch mehr Geschenke forderte)

Aber gut. Kita- und Schulbasteln haben mir schon einmal nicht gefehlt. Und ich muss sagen, ich finde es ganz schön, am Morgen mit meinem Kaffee neben den zwei Weihnachtssternen auf der Terasse zu sitzen und mich von der Sonne wärmen zu lassen. Essen ist auch eine gute Strategie gegen Heimweh. Leckeren Kuchen backen. Und schließlich: Schneematsch, graue Wolken und abgefrorene Finger auf dem Rad fehlen mir nicht. Also. Ich hoffe, dass das Tal ist bald durchschritten.

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