Anders als zu Hause Mexiko Stadt

In den Sportverein eintreten: eine Disziplin für sich

Sportplatz

Ich schwöre: ich werde mich nie mehr über deutsche Bürokratie beschweren! Irgendwie gibt es doch schon recht viele Möglichkeiten, Dinge online zu erledigen. Oder mein Datenblatt als gläserne Bürgerin ist sowieso schon überall dort angelegt, wo ich hinkomme.

Hier ist das definitiv nicht so. Ich kann beim Ausländeramt zwar online meine Adressänderung mitteilen. Muss dann aber dennoch zwölf Seiten Formulare ausdrucken und mit mehreren Kopien und Bescheinigungen persönlich dort erscheinen, um diese einzureichen.

Um in unseren Sportverein einzutreten, hat es sage und schreibe zwei Monate gebraucht. Heute sind wir zum ersten Mal dagewesen- Hallelujah! In Mexiko gibt es ja leider keine öffentlichen Schwimmbäder, und meine Kinder haben mich schon lange genervt, dass sie schwimmen gehen wollen. Hier gibt es private Sportvereine, vielleicht ähnlich wie in anderen südlichen Ländern: für eine ziemlich teure Monatsgebühr wird man Mitglied in einem exklusiven Club, wo man Schwimmbad, Tennisanlagen und weitere Annehmlichkeiten hat. Aber es ist eine etwas elitäre Angelegenheit.

Nun ja, immer noch einfacher, als ohne Auto in ein zwei Stunden entferntes Spaßbad zu fahren. Und als großes Ziel winkte immerhin, dass es beim Club des Finanzministeriums (auf unserem Nachhauseweg) jeden Tag Schwimm- und Tennisstunden gibt, und ein weibliches Basketballteam, alles im Preis drin.

Nach den ersten Erkundigungen im Dezember hatten wir schon herausgefunden, dass eine Zweimonatsgebühr zu zahlen ist, und dass es sich nach einem halben Monat nicht mehr lohnt, einzutreten, denn es geht nach Kalendermonaten, und dann wäre ja schon die halbe Gebühr zum Fenster hinausgeworfen. Weiterhin forderte man von uns je vier Passfotos, Geburtsurkunden, Aufenthaltsgenehmigung, Kopie des Passes, sowie die Blutgruppe, bescheinigt von einem Blutlabor.

Frohen Mutes, im Januar endlich mit Basketball loslegen zu können, machte ich mich direkt am 2. Januar auf den Weg. Um herauszufinden: „Die Vereinsspitze hat die Gebührenordnung für 2018 noch nicht festgelegt. Daher kann ich Ihnen im Moment kein Anmeldeformular mitgeben. Kommen Sie nächste Woche wieder.“ Damit war der Januar im Prinzip gelaufen, denn es blieb natürlich nicht bei einer Woche.

Um rechtzeitig für Februar alle Unterlagen zusammenzubekommen, meldete ich mich Ende Januar wieder. „Wieso wollen Sie denn jetzt noch für Januar eintreten?“ „Will ich gar nicht, ich will nur schon mal das Anmeldeformular abholen und es ausfüllen.“ „Das geht nicht. Wenn Sie im Februar eintreten wollen, dann können Sie das erst am 1. Februar abholen.“

Geduld heißt auf spanisch übrigens paciencia. Nachdem wir im Januar beim Blutlabor und beim Fotografen waren und ich im Februar das Formular abgeholt hatte, musste ich nur noch eine Überweisung tätigen (was nur noch 5 Tage dauerte, weil diese a) geschlossen b) überfüllt waren oder c) das System versagte,), dann konnte ich den Anmeldeprozess beenden.

Bei unserem ersten hoffnungsvollen Besuch mussten wir nur noch feststellen, dass wir ohne Badekappen und Schwimmbrillen nicht ins Schwimmbad dürfen. Zwei weitere Tage Aufschub, um einkaufen zu gehen, dann hatten wir es geschafft. Juhu. Nur noch 50 Tage bis zur nächsten Zwei-Monats-Einschreibung…

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