Frauen Politik

Internationales Frauentreffen der Zapatistinnen in Chiapas (Teil 1)

Zapatistas warten in der Sonne

Es hat sich gelohnt, natürlich hat es sich gelohnt, nach Chiapas zu fahren, auch wenn ich anfangs wie häufig Schiss hatte, meine Kinder ein paar Tage zu Hause zurück zu lassen. Es war eine weite Reise, und als Belohnung haben wir alle, mindestens 5.000 Besucherinnen, einen kleinen Funken mitbekommen, den wir in unserem Herzen mit nach Hause tragen.

So bewegt haben uns diese kleinen, emsigen Frauen mit ihren Sturmhauben. Die aus dem ärmsten Bundesstaat Mexikos kommen, unter ärgsten Bedingungen groß geworden sind und seit dem Aufstand der Zapatist*innen 1994 dennoch ihre dignidad rebelde, ihre rebellische Würde, von den weißen Menschen zurückerobert haben.

Die Fahrt von unserem „Basislager“ San Cristóbal de las Casas, einer wunderschönen kolonialen Stadt, in die Berge dauerte zwar eine Weile, der Weg war jedoch weniger ‚off road‘, als ich mir das vorgestellt hatte. Schilder oder ähnliches waren nirgendwo zu sehen. Von der Kleinstadt Altamirano aus fragten wir uns einfach durch- ich kam mir sehr klandestin vor, die Einwohner*innen nach dem „Caracol Morelia“ zu fragen, denn diesen Ort gibt es auf mexikanischen Karten nicht offiziell. Es ist eine Selbstbezeichnung für einen der fünf autonomen Regierungsbezirke der Zapatist*innen (und letztlich war er nur noch ein Katzensprung entfernt).

Willkommen, Frauen der Welt
Ab diesem Tor war Männern der Eintritt verboten

“Wenn du keine Angst vor dem schlechten System hast, das uns ausbeutet, unterdrückt, beraubt und verachtet, oder wenn du Angst hast, sie aber kontrollierst, dann laden wir dich herzlich ein”, hatten die Zapatistinnen in ihrer Einladung zum Primer Encuentro de Mujeres Que Luchan, dem ersten Festival für Frauen, die kämpfen, geschrieben. Und die Besucherinnen aus vielen Staaten Mexikos, aus Guatemala und Argentinien, aber auch den USA und Europa, stellten die Organisatorinnen vor eine grosse Herausforderung: Es kamen rund 5000 Frauen, knapp zehn Mal so viele, wie sich angemeldet hatten.

Die Schlange vor dem Tor, ab dem Männern der Eintritt auf das Gelände des Caracol Morelia verboten war, wurde immer länger. All die Besucherinnen, die ohne Zelte gekommen waren, mussten ihre Schlafsäcke auf den Bühnen, in den Seminarräumen, und unter eilig aufgespannten Plastikplanen im Gras ausrollen.

Geweckt wurden alle um sechs Uhr morgens vom Bass der Band aus dem Caracol Oventic. Zu den Klängen der “Mañanistas” krochen die übernächtigten Feministinnen aus der Stadt aus ihren Zelten, um sich auf dem Fussballplatz einzufinden und den Grussworten der compañeras aus den verschiedenen Bezirken zuzuhören.

Blick aus dem Zelt
Von unserem Zelt aus hatten wir einen 1A Blick auf das Geschehen und die Bühne.

In der Eröffnungsrede wies Capitana Erika darauf hin, dass das Treffen vor allem als Unterstützung für Maria de Jesús Patricio, Marichuy, entstanden sei. Im Februar war die Kandidatur von Marichuy, der ersten indigenen Präsidentschaftskandidatin Mexikos, an der fehlenden Zahl der Unterstützerstimmen gescheitert. Dennoch seien die Kandidatur und auch das Trefen eine Ermunterung, den Kampf um gleiche Rechte nicht aufzugeben.

Marichuy en encuentro Mujeres Que Luchan
Die Sprecherin des Nationalen Rats der Indigenen und Ex-Präsidentschaftskandidatin, Marichuy

Marichuy und viele concejalas vom Nationalen Kongress der Indigenen (CIG) waren als Ehrengäste anwesend, ergriffen allerdings nicht das Wort sondern nahmen nur an den Workshops teil. Rund 180 Veranstaltungen wurden während des dreitägigen Treffens angeboten, darunter Tanz, Körpererfahrung, Medizin und auch Musik. In jedem Workshop sassen mindestens zehn Zapatistinnen, die teilweise fleissig mitschrieben, um in ihren Gemeinden von all den “seltsamen Dingen” berichten zu können, mit denen sich die Feministinnen aus der Stadt so befassen.

Denn ohne die Gemeinschaft, die Frauen und Männer, die zu Hause auf das Feld, das Haus und die Kinder aufpassten, wäre den 2000 Zapatistinnen eine Teilnahme nicht möglich gewesen. Während innerhalb der Tore alle Organisation- von der Reinigung der Klos über die Essstände bis zu Licht und Sound auf der Bühne- in den Händen der Frauen lag, koordinierten einige compañeros ausserhalb den Parkplatz und kochten für die Zapatistinnen. Die Soldaten der EZLN hatten sich auf einem Hügel positioniert, um darüber zu wachen, dass es “keine Zwischenfälle” gab.

…Teil 2 folgt in einer Woche

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