Frauen Politik

Internationales Frauentreffen (Teil 3)

Soldatin überblickt Weg

Weil es so schön war, noch ein dritter Teil. Und weil sie so schön waren, im Original die Worte der Zapatistinnen bei ihrer Abschlussrede (in Teilen).

Wie ich da so stand und Alejandra aus dem Caracol Realidad so schön redete, rollte mir die ein oder andere Träne über die Wangen. Erst wollte ich sie verstohlen wie im Kino wegwischen. Aber auf einmal hörte ich links neben mir „schnüff“, und rechts auch „schnüff“. Und die Frauen, die die Zapatistinnen auf die Bühne geholt hatten, wischten auch heftig. Daher jetzt in echt:

Guten Abend, Compañeras und Schwestern, die kämpfen, wo auch immer ihr seid, und all die, die während des Treffens hier waren (…)

Wir sind aus ganzem Herzen, unserem einfachen und bescheidenen Herren, mit Widerstand und Rebellentum, dankbar, dass ihr hier wart, Frauen von allen fünf Kontinenten der Welt.
Wir bedanken uns für Euer Gehör, Eure Blicke, Eure Worte, Eure Workshops, die Gespräche, die Kunst, die Videos, die Musik, die Gedichte und Geschichten, Theaterstücke, Tänze, Wandbilder, eure seltsamen Dinge, von denen wir nicht wissen was sie sind, und alles was ihr gebracht habt, damit wir von euch und euren Kämpfen lernen.
Wir nehmen das als Geschenk, auf das wir gut aufpassen und das wir in unsere Gemeinden und Dörfer mitnehmen, damit alle Zapatistinnen euer Geschenk mit uns teilen können. Wir nehmen es mit Respekt entgegen, weil ihr alle große Mühen auf euch genommen habt, um hier anzureisen, aus eurer Welt, eurer Zeit zu diesem Treffen, von dem wir nicht wissen, ob es gut oder schlecht geworden ist.

Es ist das erste Mal, dass wir als Frauen alleine so ein Treffen organisieren. Wir organisieren es von unten, zuerst gab es Treffen und Diskussionen in den Dörfern und Gemeinden, dann in den Regionen und Bezirken und schließlich alle fünf Bezirke gemeinsam. Ihr seht schon, unter Frauen brauchen wir etwas länger für einen kleinen Kompromiss, umso mehr mehr für einen großen Entschluss, denn wenn, dann müssen wir es alle zusammen machen. Und es gibt ja keine Anleitung dafür. Es blieb uns nichts anderes übrig als die Männer zu fragen, und sie wussten auch nicht, wie es geht, denn wie wir bereits sagten, noch nie hat jemand so ein Treffen organisiert. Also mussten wir es unter uns ausmachen, den ganzen verdammten Tag und die ganze verdammte Nacht. Man hat Lust zu essen, aber nein… und schlafen kann man auch nicht. Denn wir waren ja so besorgt darüber, ob das Treffen gut oder schlecht werden würde. Wir haben schließlich eingeladen, das ist unsere Verantwortung. Wo ihr schlaft, was ihr esst, wo ihr euch duscht, wo ihr aufs Klo geht, der Sound, das Licht, das Wasser, wenn eine krank wird, was wir euch sagen werden, wie wir mit euch sprechen werden, wie wir euch zuhören und anschauen werden. Auch wenn wir nicht mit allem einverstanden sind, was ihr sagt.

Für all das braucht man mehr als ein Kollektiv. Deshalb sind wir hier zweitausend Zapatistas aus allen fünf Bezirken. Und es war vielleicht nicht genug, denn ihr seid fünftausend, und einige sagen, ihr seid acht- oder neuntausend. Wer weiß, wie viele Frauen die kämpfen hier sind? Aber ich glaube wir sind uns einig, dass wir verdammt viele sind. Und wir dachten nicht, dass so viele kommen, denn dieser Ort ist ziemlich weit weg von allem, und es gibt keinen Luxus. Wenn wir das gewusst hätten, wären vielleicht mehr Zapatistinnen gekommen, um euch alle zu umarmen, jede einzelne, und euch sagen was ich euch jetzt im Namen des Kollektivs sage. Sechs Zapatistinnen würden für jede einzelne von euch da sein: ein Kleinkind, ein Mädchen, eine Jugendliche, eine Erwachsene, eine alte und eine sehr alte Frau. Alles Frauen, alle Indien, alle arm, alle Zapatistinnen, die dich fest umarmen, weil es das einzige Geschenk ist, das wir dir zurückgeben können.
Stell dir vor, all das hier sagt dir eine Zapatistin ins Ohr, während sie dich umarmt, in deiner Sprache, in deinem Rhythmus, auf deine Weise: „Gib nicht auf, verkauf dich nicht, weiche nicht zurück!

Schwestern und Compañeras,
An diesem 8. März während der Eröffnungsveranstaltung haben wir ein kleines Licht für euch entzündet, eine Kerze, denn ein Streichholz brennt so schnell ab und ein Feuerzeug könnte ja kaputt gehen.
Dieses Licht ist für dich.
Nimm es mit, Schwester und compañera,
Wenn du dich einsam fühlst,
Wenn du Angst hast.
Wenn du das Gefühl hast, der Kampf, oder das Leben, sind sehr hart,
Zünde es erneut an in deinem Herzen, in deinen Gedanken, in deinem Bauch.
Bringe es zu den Verschwundenen,
Bringe es zu den Getöteten,
Bringe es zu den Gefangenen.
Bringe es zu den Vergewaltigten,
Bringe es zu den Geschlagenen.
Bringe es zu den Belästigten.
Bringe es zu den in allen Formen Missbrauchten.
Bringe es zu den Migrantinnen.
Bringe es zu den Ausgebeuteten.
Bringe es ihnen und sag ihnen, dass sie nicht alleine sind, dass du für sie kämpfst, dass du für Wahrheit und Gerechtigkeit kämpfst.
Bringe es zu ihr und verwandle es in Zorn, in Wut, in Entschiedenheit.
Bringe es zu ihr und verbinde es mit anderen Lichtern.
Vielleicht sehen wir uns wieder, um gemeinsam das System unter Feuer zu setzen.

Was wir brauchen ist dass nie wieder eine Frau, egal aus welcher Welt sie kommt, welche Hautfarbe sie hat, welche Größe, welches Alter, welche Muttersprache sie spricht, aus welcher Kultur sie kommt, Angst haben muss. Ya basta!

Schwestern und Genossinnen:

Vor allen, die hier sind, und die nicht hier sind, aber mit dem Herzen oder den Gedanken hier sind, schlagen wir euch vor, dass wir vereinbaren, am Leben zu bleiben und weiterzukämpfen, jede nach ihrer Art, ihrer Zeit, und in ihrer Welt.
Seid ihr einverstanden?

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