Familie

Krank und alleinerziehend

Ich glaube, wenn sie krank sind werden Alleinerziehende noch einsamer, als sie es vorher schon sind. Mir geht es jedenfalls so. Meistens hält man durch oder wird gar nicht krank, und manchal erwischt es einen dann so richtig. Vor kurzem hat mich eine Blasenentzündung innerhalb von wenigen Stunden niedergestreckt.

Gerade war ich noch beim Arzt gewesen und hatte mir tatsächlich Antibiotika verschreiben lassen, da lag ich auch schon im Bett und konnte mich vor Nierenschmerzen nicht mehr erheben. Vor meinem geistigen Auge fragte ich mich schon, welches in Mexiko eigentlich die Notrufnummer ist, warum ich die nie aufgeschrieben habe und wie meine Kinder im Notfall einen Krankenwagen rufen können (Aus Mangel an Alternativen dachte ich mir schon, sie könnten die zwei Blocks zum nächsten Krankenhaus auch zu Fuß laufen und eine der davorstehenden Ambulanzen alarmieren).

Immerhin war unser Kindermädchen nett genug, ungefragt länger zu bleiben und den Kindern noch Pasta zu machen. Und wer guckt bei mir vorbei? Fragt, ob ich einen Tee will? Oder ob sie sonst noch etwas für mich tun können? Niemand natürlich. Wenn jemand auftaucht, dann, um eigene Ansprüche zu stellen: „Will Medienzeit haben…“ „Mama, … hat mir …. gemacht, sag ihm dass….“ „Stimmt gar nicht, er hat …. gemacht“ „Kannst du mir den Code für das iPad eingeben?“, und so weiter, und so weiter.

Erst nach einem Wutanfall, zu dem sich dann doch noch genügend Energie aufgestaut hatte, wurden widerwillig Tee und Wasser gebracht. Ist Empathie eine Eigenschaft, die man erst beim Größerwerden entwickelt? Ich fühlte mich jedenfalls auf sehr einsamem Posten. Am nächsten Tag konnten wir nicht in den Sommerkurs gehen, weil ich die Kinder nicht hinbringen konnte. Stattdessen gab es drei Tage rund um die Uhr Fernsehen. So ist das dann eben.