Allgemein Auswandern

Nachtrag zum Tag der Migrant*innen

Luftballons

Gestern war Tag der Migrant*innen. Dazu kann ich ganz aktuell eine sehr hässliche Geschichte erzählen, auch wenn wenn sie ’nur‘ von einer Migrantin auf Zeit handelt.

Letzten Freitag sollte die lange erwartete Freundin unseres Au Pairs in Mexiko ankommen. Eine 24-jährige Studentin aus Kolumbien, die zum ersten Mal ins Ausland reist. Sie wollte eine Weile bei uns bleiben und uns ein bißchen mit den Kindern helfen.

Um 19 Uhr abends sollte der Flug landen, unser Au Pair hatte groß sein Zimmer für sie dekoriert und war mit einem Kind zum Flughafen gefahren, um sie abzuholen. Doch sie kam nicht heraus. Sie warteten und warteten, doch auch der nächste Flug spuckte sie nicht aus. Irgendetwas musste schief gelaufen sein, und so war es auch: „Irgendetwas“ war eine Frau am Einreiseschalter, über die ich viele Schimpfworte verloren habe, die ich mir an dieser Stelle erspare. Zurück in Bogotá erzählte uns die Freundin folgende Geschichte vom Dialog am Einreiseschalter:

„Was machst du in Mexiko?“

„Meinen Freund besuchen.“

„Aha. Reist du alleine?“

„Ja.“

„Aha.“

„Ich besuche meinen Freund.“

„Und, ist der Mexikaner?“

„Nein Kolumbianer.“ (folgt Diskussion, warum der kolumbianische Freund in Mexiko ist und sie ihn besucht)

„Das kommt mir sehr seltsam vor… Und warum bist du so aufgebretzelt, mit Schmuck und allem?“

„Äh…“ (Antwort auf diese Frage unbekannt)

„Nein. Du kommst nicht in mein Land rein. He- was machst du da mit dem Handy? Gib das her. Du kommst jetzt mit uns mit.“ (Der Freundin werden Schmuck und Handy abgenommen, sie kann niemandem Bescheid sagen, wo sie ist, sie wird in einen Raum eingesperrt. Die Schnürsenkel werden ihr aus den Schuhen genommen.)

„Übrigens, normalerweise bekommen Leute drei Monate Wiedereinreiseverbot, wenn wir sie abgewiesen haben, aber dir? Dir gebe ich fünf Jahre!“

Nach gefühlten Stunden des Aufenthalts wird die Freundin aus dem Raum herausgeholt und darüber informiert, dass sie nun in ein Flugzeug zurück nach Bogotá gesetzt wird. Der nette Beamte der darauffolgenden Schicht erzählt ihr, dass es eine Beschwerdestelle gebe, aber sie hat den Namen der Frau nicht, die sie beleidigt und so gedemütigt hat.

Eine 24-jährige Studentin, die zum ersten Mal reist… so eine Gemeinheit, und ich dachte, das gäbe es nur in Europa, wo arme Menschen vom Land aus El Salvador aus Rassismus in Amsterdam an der Grenze zurückgewiesen werden. Obwohl sie angeblich visumsfrei einreisen können und eine Bürgin haben, die sogar telefonisch erreichbar ist. Das ist einem Freund von mir vor einem Jahr passiert.

So ist das, wenn man von der Lotterie des Lebens gerade keinen deutschen Pass zugewiesen bekommen hat…

„Jeder hat das Recht, sich innerhalb eines Staates frei zu bewegen und seinen Aufenthaltsort frei zu wählen.
Jeder hat das Recht, jedes Land, einschließlich seines eigenen, zu verlassen und in sein Land zurückzukehren.“

(Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 13)

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