Heutzutage kaum mehr ohne Tourist*innen anzutreffen. Der Originalschauplatz

Filmtipp: Wer Zeit hat, sich das Meisterwerk “Roma” von Alfonso Cuarón auf Netflix anzusehen, oder vielleicht sogar in einer der seltenen Kinovorfuehrungen, sollte das unbedingt tun. Der Film ist eine Hommage an das Kindermaedchen des Regisseurs, eine Hausangestellte, die Anfang der 70er Jahre der mexikanischen Mittelstandsfamilie diente, in der Cuarón aufwuchs. Im Film werden nicht nur die Unterschiede der mexikanischen Klassengesellschaft deutlich, sondern auch Rassismus und Diskriminierung gegenueber Indígenas, denn Cléo (Yalitza Aparicio) ist Mixteca.

Wie ich gehoert habe, wundern sich in Europa viele Menschen darueber, dass der Film nicht in Rom spielt. Natuerlich kennt niemand unser kleines schoenes Viertel in Mexiko Stadt. Mexikaner*innen wissen den Film dafuer umso mehr zu schaetzen. Nicht nur die Geschichte ist beeindruckend, auch all die Details, die Cuarón erinnert und rekonstruiert bzw. recherchiert hat. Ich erinnere mich, dass ich auf Twitter eine ausfuehrliche Diskussion ueber die “Krokodile”, die Taxis mit Krokodilzaehnen, von denen ein einziges in der Szene im Stau kurz auftaucht, gesehen habe. Und darueber, ob es 1971 schon die Lasten-Dreiraeder gab, haeufig genutzt von Brotverkaeufern, eines davon in der Szene beim Abholen im Kindergarten zu sehen.

Die Kamera, meisterhaft, ich liebe diese Bilder und ich wette, dass der Group hug am Strand von Veracruz im Gegenlicht noch in Jahren in irgendwelchen Rueckblenden auf meisterhafte Filme auftaucht. Es scheint, als ob durch das Schwarz-Weiss noch mehr Aufmerksamkeit auf die Details gelenkt wird. (Derselbe Alfonso Cuarón stand uebrigens auch hinter der Kamera)

Und nicht zuletzt, die groesste Nebendarstellerin: Ciudad de México! Wenn man hier lebt, erkennt man sie im “Soundtrack” sofort wieder! Der camotero, der Suesskartoffelverkaeufer mit seinem pfeifenden Klang. Die Reisigbesen, die jeden Morgen auf den Strassen geschwungen werden. Der Ruf des Messerschleifers. So einzigartig und so zuordenbar, wie ich schon einmal in meinem Blogeintrag “Klingende Stadt” beschrieben habe. Ueber die Geraeusche wird so viel von der Stadt Realitaet… zu schade, dass die meisten Menschen den Film (wie ich) nur auf kleinem Bildschirm, mit schlechten Lautsprechern und nicht im Kinosaal sehen werden. Dafuer werden eine Menge Menschen erreicht. Eine indigene Hauptdarstellerin, die nun die roten Teppiche der Welt erobert! Immer im Hintergrund unsere “Roma”, que dicha, denn wann waere Kreuzberg schon der Hintergrund fuer ein Meisterwerk wie dieses?

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