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Sara Lovera, Nellys Palomo: Las Alzadas

Las Alzadas

Für diejenigen, die das Thema der Zapatistinnen noch vertiefen möchten und der spanischen Sprache mächtig sind, sei Las Alzadas empfohlen, Die Aufständischen. Nachdem meine Chefin bei CIMAC schon seit meinem Arbeitsbeginn darauf gedrängt hatte, dass ich es lesen solle, habe ich mich für das zapatistische Frauentreffen tatsächlich daran gemacht.

Es ist eigentlich eine Sammlung von Texten, die alle aus den ersten zwei Jahren nach dem Aufstand (Er begann am 1. Januar 1994) stammen, darunter Zeitungsartikel, Veröffentlichungen der Zapatistinnen wie das Revolutionäre Gesetz der Frauen, Briefe von Subcomandante Marcos, Veröffentlichungen von Frauengruppen und Berichte von verschiedenen Frauentreffen.

Besonders habe ich mich mit dem Revolutionären Gesetz der Frauen beschäftigt. Es war für die Feministinnen aus der Stadt damals schon ziemlich überraschend, welch große Rolle Frauen in der zapatistischen Armee spielten (es gab sogar eine Kommandantin, Ana María, die die Stadt San Cristóbal einnahm, und natürlich die charismatische und verehrte Ramona, die die im klandestinen Revolutionskomitee die Frauen in den Gemeinden repräsentierte).

Diese indigenen Frauen, über die es sicher viele rassistische und kolonial geprägte Vorurteile gab (schüchtern, schweigsam, stecken immer zurück), die aber auch von den Männern in ihren Gemeinden unterdrückt wurden und teilweise in öffentlichen Veranstaltungen noch nicht einmal das Wort ergreifen durften, hatten sich über einen langen Zeitraum hinweg organisiert und dieses Gesetz geschrieben. Darin standen als wichtigste Punkte, dass die jungen Frauen nicht mehr von ihren Eltern in eine Ehe gegeben werden, sondern das Recht erhalten sollten, selbst über ihren künftigen Partner und die Zahl ihrer Kinder zu bestimmen.

Diese Forderungen gingen einigen Radikalen aus der Stadt nicht weit genug, und auch die Rolle der Frau in einer Armee, die ja doch zum Morden da sei und daher nicht mit menschenfreundlichen Prinzipien zu vereinbaren, wurde in Frage gestellt. Ich fand es sehr interessant, wie die feministischen Strömungen sich zum damaligen Zeitpunkt mit den Zapatistas auseinandergesetzt haben.

An der Diskriminierung von Indígenas hat sich seit 1994 nicht grundlegend viel verändert. Wo viele von ihnen leben, ist die Infrastruktur schlechter, die Bildungseinrichtungen, die Krankenhäuser. Wenn sie ihre Sprachen sprechen, wird auf sie herabgeschaut. Es gibt sehr viel Rassismus in Mexiko. Die althergebrachten Rechte (wovon es sicher gute und schlechte gibt, wie die Zapatistinnen auch in ihrem Gesetz schreiben…) und Gebräuche werden mit Füßen getreten. Viele indigene Gemeinden werden in Landkonflikte verwickelt, weil internationale Bergbau- oder Energieunternehmen ihnen ihre Ländereien abluxen wollen- im Namen des Fortschritts und mit Unterstützung lokaler Regierungen.

Eines fand ich aber bemerkenswert: Das totale Verbot des Alkohols, 1996 in den autonomen Territorien eingeführt, gibt es immer noch, und es scheint für die Frauen von großem Wert zu sein. Nach dem, was uns einige Zapatistinnen erzählt haben, ist die häusliche Gewalt deutlich reduziert, und das fand ich schon beeindruckend. Insgesamt gesehen hat der Alkohol doch deutlich mehr negative als positive Effekte auf eine Gesellschaft. Wäre vielleicht mal einen Gedanken wert.

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