Mexiko Stadt Politik

Smog Alarm

Lastwagen unterliegen in Mexiko Stadt keiner Schadstoffbegrenzung

Die Trockenzeit in Mexiko hat einige Vorteile. Zum Beispiel kann ich immer, immer, immer die Waesche draussen haengen lassen, ohne Angst vor Regenschauern zu haben. Man muss auch nie einen Regenschirm oder eine Jacke “fuer spaeter” mitnehmen. Als wir hier ankamen, dachten wir, es wuerde in Mexiko Stadt nie regnen, weil wir in den ersten drei Monaten nicht einen einzigen Regentropfen sahen. Obwohl schon verwunderte, warum die Strassenbepflanzung dann so gruen ist.

Es gibt aber auch Nachteile, der herausragendste: Die Luftverschmutzung. Obwohl ich in den letzten Tagen herausgefunden habe, dass Regen nur wenig gegen die ganzen Feinstaubpartikel tut, es sei denn es ist deutscher Dauerregen, wuerde ich mir in letzter Zeit doch oefter einen kraeftigen Guss wuenschen. In den letzten Monaten war die Luftqualitaet in Mexiko Stadt nur an zwei Tagen “gut”. Mitte Mai wurde sie so schlecht, dass sogar die Schule ausfiel und die Regierung die Menschen dazu anregte, von zu Hause zu arbeiten.

Ausserdem sollten wir die Fenster geschlossen halten (bei der Hitze!), keinen Sport treiben und nicht rauchen. Und, wie gesagt, am besten gar nicht erst rausgehen. Schwierig, mit drei hyperaktiven Kindern. Besonders schwierig fand ich es aber, dass sich die ersten Vorschlaege der Regierung darauf beschraenkten, was mensch individuell machen sollte. Anstatt sich mit den Ursachen des Lufproblems und deren Bekaempfung zu befassen.

Beigetragen hatten zu der schlechten Luft zahlreiche Waldbraende in der Umgebung und die Wetterlage, also der Windstillstand. Das hausgemachte Problem aber ist die schlechte Verkehrspolitik. Zwischen 2005 und 2015 ist laut nationalem Statistikinstitut der Fahrzeugbestand in der Grossstadtregion von 3,7 Millionen auf 9,5 Millionen angewachsen.

Ja, das kann man jetzt mal kurz so stehen lassen und schlucken. Noch dazu, das habe ich waehrend der “Contingencia”, das sind die Notfallmassnahmen bei unglaublich verpesteter Luft, gelernt: Es gibt zwar Verbote, nach denen Autos mit bestimmten Kennzeichen an bestimmten Tagen nicht fahren duerfen. Aber erstens hat diese Massnahmen anscheinend dazu gefuehrt, dass wohlhabende Mexikaner*innen sich ein Zweitauto mit alternativem Kennzeichen fuer die anderen Tage angeschafft haben. Und zweitens werden die dreckigsten Fahrzeuge, naemlich Muellautos, LKWs die schon fast als Oldtimer registriert werden koennten und Peseros, also die kleinen, gruenen Busse, die alle eine schoene blaue Abgaswolke ausspucken, wenn die Fahrer aufs Gaspedal treten, ueberhaupt nicht mit einem Verbot belegt! Dann koennte schliesslich das oeffentliche Leben zusammenkrachen… Dabei hat die Stadt bei oeffentlichen Bussen und Muellautos ja wohl am ehesten die Moeglichkeit, umzuruesten und zu regulieren!

Grr, es ist wirklich eine Gemeinheit, wie kurzsichtig schlussendlich doch gedacht wird, allen Fahrradspuren, Metrobussen und U-Bahn Erweiterungen zum Trotz. Noch dazu, fand ich, wird nicht nicht sehr transparent agiert. Die Luftverschmutzungswerte der Stadt werden nach einem selbst errechneten Index bewertet. Fuenf Indikatoren (u.a. Ozon, Feinstaubpartikel PM 2,5) schwanken zwischen 0 und 100, 100 ist das schlechteste. Und da einige darueber hinausgingen, sah es ziemlich schlecht aus. Aber was heisst der Wert “100”? Wenn ich mich richtig durchgelesen habe, dann lediglich, dass die kleinsten Feinstaubpartikel, die richtig tief in unsere Bronchien kommen, einen Wert von 43 Mikrogramm pro Kubikmeter ueberschritten haben. Und was mache ich, wenn er bei 150 liegt?

Die App sagt mir, die Luft ist „gut“. Feinstaubpartikel anscheinend nicht mit eingerechnet.

Lieber gar nicht erst einatmen. 21 Tausend Tote gibt es nach Medienberichten, die sich auf die UNAM beziehen, jedes Jahr in Mexiko wegen der Luftverschmutzung. Irgendwie (Autosuggestion oder echt?) fuehlten sich meine Lungen in den Tagen sowieso ganz schoen schwer an. Und die Kolleginnen klagten ueber verstopfte Nasen und traenende Augen. Ich holte sogar meine Fahrrad Maske wieder heraus, allerdings nur fuer einen Tag, denn mit dem Ding habe ich erst recht das Gefuehl, keine Luft zu kriegen.

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