Mexiko Stadt

U-Bahn fahren in Mexiko

Im Gedränge der Metro

Zugegeben, das Thema der letzten Woche- Gewalt gegen Frauen, war sehr hart. Deswegen wird es heute wieder touristisch.

Zwei der Dinge, die uns beim Reisen durch fremde Länder am meisten erstaunen und interessieren sind a) das Essen, und b) der Verkehr. Fünf Leute auf einem Motorrad, 40 auf einer Pickup Ladefläche, ungeähr hundert Stühle auf einem kleinen LKW, Tuc-Tucs: all das fasziniert uns, zumindest, wenn wir nicht täglich damit zu tun haben (müssen).

Die U-Bahn von Mexiko Stadt ist riesig, sie gehört nach/neben New York, Moskau und Tokio zu den größten der Welt. Was die beförderten Passagiere angeht, da habe ich unterschiedliche Zahlen gelesen, der Mittelwert liegt bei 5,5 Millionen am Tag. Ausgelegt ist sie angeblich nur auf drei Millionen.

Menschen in der Metro
Im Umsteigebahnhof komme ich mir vor wie in einer Horde Ameisen

Dabei ist Mexiko die lateinamerikanische Stadt mit dem größten U-Bahn Netz. In anderen Millionenstädten wie Bogotá redet man seit Jahrzehnten darüber und hat trotzdem noch keinen Spatenstich gesetzt. Ganz zu schweigen von den Metropolen der ärmeren Länder wie Guatemala, die trotz wachsender Bevölkerung keine Lösung für ihr Verkehrsproblem haben. Die Metro in Mexiko ist außerdem sehr günstig. Sie kostet umgerechnet etwa 25 Cent und ist auch für Pendler*innen von weit außerhalb erschwinglich.

Einmal quetschen für 25 Cent

Ein ganz besonders Vergnügen ist es, sich in der hora pico (etwas später als bei uns-morgens verteilt es sich, und zwischen 18 und 20 Uhr ist es ganz schlimm) durch Mexiko zu bewegen. Zunächst stellt man sich in eine der langen Schlangen am Bahnsteig. Wenn der Zug ankommt, sind für Ein- und Ausstieg circa acht Sekunden vorgesehen. Weshalb die Wartenden den Waggon auch schon stürmen, bevor die letzten Aussteigenden ihn verlassen haben. Dann schließen die Türen, und Menschen, die vorher noch mit drei Viertel ihres Körpers draußen hingen, passen auf einmal noch hinein.

Die Fahrt, wie soll ich sie beschreiben? Wer schon einmal dicht gedrängt vor der Bühne eines Rockkonzerts stand, und trotz aller Wellenbewegungen des Publikums keinen Schritt nach links oder rechts tun konnte, um das Gleichgewicht wiederzufinden, weiß, wovon ich spreche. Bei den U-Bahnen in CDMX kommt noch hinzu, dass sie zwischendurch gerne im Tunnel stehen bleiben, oder auch aus unerfindlichen Gründen sechs Minuten an einer Station. Und sechs Minuten an der nächsten. Ich bin nur froh, dass ich in solchen Fällen zumindest von vorne und hinten von Frauen zusammengequetscht werde, denn es gibt seit vielen Jahren extra Frauenwaggons in der Metro (was uns eigentlich zurück zum Thema Gewalt gegen Frauen führen würde, aber lassen wir das).

Metro, Frauen
Eine Frau wartet im speziell für Frauen und Kinder ausgewiesenen Wartebereich

Das bedeutet allerdings nicht, dass Frauen beim Aussteigen weniger rabiat sind. Als Taktik sollte man sich spätestens eine Station vor Ausstieg in Richtung Türen bewegen und am besten die Frau vor einem fragen:“Vas a bajar?“ „Steigst du aus?“ Wenn nicht, kann man Plätze tauschen und hat so eine Chance darauf, bei der gewünschten Station auch wirklich aus dem Wagen zu kommen.

Ein riesiger Schönheitssalon

Meine Kinder sind keine Freunde der Metro, zumindest nicht zu Stoßzeiten. „Mama, ich mag die Männer Waggons nicht“, stellte der Mittlere fest. „Da riecht es so schlecht. Und im Frauenwaggon- da schminken sich alle!“

Eine Frau schminkt sich im Bus
Wimperntusche, Kajal und Lippenstift dürfen im Bus nicht fehlen

Es stimmt, am Morgen kommt einem der Frauenwaggon vor wie ein riesiger Schönheitssalon. ALLE sind dabei,  sich die Wimpern zu biegen, zu tuschen, Eyeliner oder Lippenstift nachzuziehen. Heute habe ich sogar eine Frau mit Lockenwickler gesehen. Was mich erstaunt, ist dass sie überhaupt eine gerade Linie ziehen können, so wie es wackelt. Und das nicht nur in der U-Bahn, sondern auch in den Bussen, deren Fahrer deutlich häufiger bremsen oder abrupte Manöver machen. Immerhin das ringt mir dann doch Respekt ab.

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