Anders als zu Hause Familie

Weihnachten unter Palmen

Boote an der Laguna de Chacahua

Ich glaube, beim Thema Weihnachten teilen sich die Menschen in zwei Fraktionen: Die einen, die Wert auf den Baum, den Gesang, evtl. die Kirche, auf jeden Fall die Familie und traditionelles Essen legen. Und die anderen, die das nicht tun.

Wir haben jetzt schon drei Weihnachten nicht im Kreis der Familie oder von Freundinnen verbracht, und was ich auf jeden Fall sagen kann: Kleinfamilien-Weihnachten gefällt mir nicht. Vier Personen und ein Baum, das ist dann doch irgendwie relativ schnell vorbei. Noch dazu verfügte unser Baum in Mexiko-Stadt im ersten Jahr über eine mehrfarbige LED-Lichterkette in eher kalten Farben (vor kurzem habe ich gelesen, Menschen in südlicheren Ländern würden kalte Farben ihrer Glühbirnen bevorzugen. Das würde einiges erklären….). Außerdem war es definitiv der kälteste Winter, den wir in Mexiko erlebt haben, mit Temperaturen an einigen Tagen, bzw. besser gesagt Nächten, unter null Grad.

Unser Haus ist sehr kalt. Auch wenn es tagsüber in der Sonne- immerhin ist Trockenzeit- 20 Grad werden, ist es im Haus morgens und abends empfindlich kalt, und ich denke mit Wehmut an unsere deutsche Fußbodenheizung. Oder wenigstens 2-fach-Verglasung? Jedenfalls kam bei unserem damaligen Weihnachtsfest nicht so viel Stimmung auf.

Seit zwei Jahren fahren nun wir das Kontrastprogramm: Weihnachten unter Palmen. Dafür muss man zwar 13 Stunden mit dem Auto fahren. Jedenfalls dorthin, wo wir wollen, an die Küste von Oaxaca. Acapulco ist das liebste, weil nächste Ausflugsziel der Hauptstädter*innen. In fünf Stunden ist man schon in der Hitze und kann einen Wahnsinns Sonnenuntergang über dem Pazifik beobachten (und wenn man Glück hat, noch einige Wale dazu).

Jedenfalls hatten wir es dieses Jahr mal wieder traumhaft: Nachts das Rauschen der Wellen, morgens über den Strand zu unserem Lieblings Frühstückscafé, danach in die Wellen eintauchen, die Mittagshitze im Hotelzimmer verdösen, nachmittags wieder baden und abends Fisch essen. Nachts dann das Sternenzelt, und die fluoreszierenden Algen im Meer, die jeden Wellenkamm extra grün leuchten lassen.

Dafür gibt es null Weihnachtsstimmung, kein Wunder, unsere Sozialisierung assoziiert Wellen, Strand und Sonne nun einmal nicht mit dieser Jahreszeit. Selbst wenn überall Weihnachtsbäume mit künstlichem Schnee aufgestellt werden. Die Lego-Geschenke hatte ich in diesem Jahr gleich zu Hause gelassen und nur Fotobeweise mitgebracht für das, was den Kleinsten zu Hause erwartet: am Strand macht es keinen Sinn, all die kleinen Steine herauszuholen. Dafür hatte er nach der Rückreise, zufälligerweise Día de Reyes, noch etwas zu spielen. Hier in Mexiko bekommen viele Kinder auch etwas am 6. Januar von den Königen.

Die „Bescherung“ war also eher seltsam und kurz, nachmittags auf dem Hotelzimmer, bevor wir wieder baden gingen, dafür aber abends ein herzliches Essen mit Freund*innen veranstalteten. Da fühlte ich mich schon näher dran an dem, was Weihnachten für mich bedeutet. Ab und zu der Gedanke daran, dass wir nächstes Jahr all das wieder haben werden: Kälte, Dunkelheit, Kerzen, Weihnachtsbaum, Tannenzweige, die Oma und den Gesang. Das wird auch schön. Garantiert denke ich an die sonnigen Strandtage zurück, aber man kann es auch nicht gegeneinander aufwiegen. Beides sind wunderschöne, spezielle Erfahrungen, jede für sich.