Anders als zu Hause Familie

Wie kriegen mexikanische Mütter das hin?

Auf dem Nachhauseweg

Wo ich gerade beim fieberkranken Kind zu Hause sitze: Das Leben ist schon ganz schön ungerecht, muss man feststellen. Nicht nur, dass ein viel zu großer Teil der mexikanischen Gesellschaft unter die Grenze der extremen Armut fällt. Auch alle, die etwas mehr verdienen, kämpfen täglich um die Befriedigung vieler Grundbedürfnisse. Und die Frauen ganz besonders

Es scheint mir, dass es in Mexiko so gut wie keine Teilzeit gibt. Das heißt, dass Frauen- oft besser gebildet- entweder den ganzen Tag arbeiten und die Kinderbetreuung anderen überlassen, so wie ich. Und dann geht in ihrem Fall das ganze sauer verdiente Geld für die Betreuung drauf. Und die Schule natürlich, denn wenn es eine bessere sein soll, ist das meist eine private. Und die kostet in Mexiko Stadt auch mal 200 Euro pro Kind pro Monat. Na, wer kann sich in Deutschland vorstellen, so viel zu bezahlen?

Der andere Teil der Frauen arbeitet entweder gar nicht, weil es einfach nicht geht, oder informell. Das heißt zum Beispiel an Verkaufsständen, Tamales oder Säfte anbieten am Straßenrand, in den Märkten sitzen, Obst und Gemüse oder Küchenartikel verkaufen etc. etc.

Kleinkind spielt
Ein Mädchen spielt neben einem Verkaufsstand an der Straße

Alle Frauen, die im informellen Sektor arbeiten, haben gar keine Chance, ihr Kind in einem Kindergarten anzumelden. Das hat mir gerade erst meine Kollegin erzählt. Denn entweder man bekommt einem Platz im Kindergarten des Arbeitgebers, oder man zahlt privat. Und das können sich alle Frauen im informellen Sektor nicht leisten. Deswegen sieht man überall an den Marktständen auch die Kinder der Verkäuferinnen sitzen, sich selbst beschäftigend, oder leicht apathisch. Oder die Kinder gehen gleich mit ihren Eltern mit, verkaufen in der U-Bahn Kaugummis, oder bieten den Gästen von Cafés und Restaurants selbst gemachte Püppchen und Schmuck an.

Bisher war ich immer der Meinung, dass wir in Deutschland noch viel zu wenig weit vom Vater Vollzeit- Mutter Teilzeit-Modell weggekommen sind. Steuerklasse 3, Steuerklasse 5. Den Vorurteilen, wenn Väter länger in Elternzeit gehen. „Das kann ich mir bei meinem Arbeitgeber nicht leisten“. Ach, wirklich nicht? Wieso versuchst du es nicht mal? Hier in Mexiko bekommen Frauen 12 Wochen Elternzeit. Männer 5 Tage. Im Vergleich dazu finde ich uns doch ganz fortschrittlich.

Und wenn man sich die Mittelklasse anschaut: Die rackert im Hamsterrad. Denn die Schulen der Kinder wollen bezahlt werden. Dafür ist man mit Berufsverkehr bis acht Uhr abends unterwegs und sieht die Kinder nur am Wochenende.

Will ich das? Ganz eindeutig NEIN. Selbst ohne Kinder läge meine Wunsch-Arbeitszeit bei 32 Stunden, schließlich sollte man nicht für die Arbeit leben, sondern anders herum. Naja. Erstmal Hamsterrad für mich, immerhin ohne lange Pendelzeiten und somit der Chance, die Kinder noch im Hellen zu sehen am Abend. Aber die Mexikanerinnen… hart, wirklich hart.

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